Rotkäppchen hat keine Lust – der böse Wolf hilft

Anfang April gab es in der Pasinger Fabrik mal wieder eine Theater-Premiere: Das Figurentheater Pantaleon zeigt das Stück vom Rotkäppchen, „dass keine Lust hat“. Wir fanden die Vorführung gut, aber nicht sehr gut.

Auch Märchenfiguren sind nur Menschen, und so kann es ja wohl niemand dem jungen Mädchen übel nehmen, dass es genervt ist, zu ihrer alten Oma zum Geburtstag zu müssen. Noch dazu, nachdem Sonntag ist und Rotkäppchen eigentlich den ganzen Tag dass machen wollte, worauf es Lust hat. Schließlich muss der böse Wolf es daher zur Vernunft bringen und ihr zum Beispiel hinsichtlich der Geschenke helfen.

Vor diesem ungewöhnlichen Szenario spielt das Bilderbuch „Rotkäppchen hat keine Lust“ von Sebastian Meschenmoser. Das „Pantaleon Figurentheater“ von Alexander Baginski hat das Buch nun zu einem Theaterstück umgearbeitet, dass Anfang April in der Pasinger Fabrik Premiere hatte. Dem genialen Texteschreiber und Figurenbauer Baginski gelang dabei erneut ein gutes Stück, dass aber nicht an andere Werke von ihm heran kam.

Eigentlich hat der böse Wolf von seiner Großmutter gelernt: „Wer sich bitter fühlt, muss ein süßes Kind fressen!“. Doch als er sich auf die Lauer legt und kurze Zeit später Rotkäppchen begegnet, ist er dennoch entsetzt, als er ihre Geschenke für die Großmutter findet: „Ein kantiger Ziegelstein, eine stinkende Socke und ein oller Kaugummi? Das sind doch keine Geschenke für eine alte Dame!“ Im Andenken an seine eigene Großmutter sorgt der Wolf daher kurz entschlossen für bessere Präsente: Er pflückt Blumen, backt in seiner Höhle den gleichen Apfelkuchen wie für seine Oma und geht gemeinsam mit Rotkäppchen einen Wein einkaufen. Natürlich kommt er dann auch zur Großmutter mit, die sich sehr über den Überraschungsbesuch des „haarigen Herrn aus dem Wald“ freut und sich blendend mit ihm versteht. Die neue Freundschaft ist gleich so gut, dass der Wolf bei der Großmutter übernachtet und schließlich sogar bei ihr einzieht – ganz, ohne sie zu fressen. Da ist selbst der Jäger überrascht, der den bösen Wolf eigentlich erschießen wollte und dafür zur Großmutter geeilt war. Rotkäppchen ist da schon längst wieder verduftet.

Die originelle Geschichte setzte Alexander Baginski in seinem Stück gut um. Er selbst spielte das Rotkäppchen, was in der Kombination aus grauhaarigen Mann und Rotkäppchen-Kostüm für viel Gelächter bei den Kindern sorgte. Alle anderen Figuren wie der Wolf und die Großmutter waren kleine Stofffiguren, die Baginski mit unterschiedlichen Stimmen ebenfalls spielte (siehe Foto). Als Bühne diente ein kleiner Wagen, den Baginski zwischendurch je nach Kulisse umdekorierte und oben darauf die Figuren platzierte. Dieses Bühnenbild erinnerte an den Charme eines „Märchenerzählers von früher“ und wirkte zusammen mit der Kombination aus „großem“ Rotkäppchen und „kleinen“ Figuren durchaus gelungen. Baginski schaffte es auch gut, den unterschiedlichen Figuren Leben einzuhauchen, zum Beispiel durch unterschiedliche Stimmen und Eigenheiten wie das prägnante und immer wieder kommende Heulen des Wolfes. Die Dialoge waren ebenso kindgerecht und passend. Auch die Länge des Stücke war mit knapp einer Stunde für die teils kleinen Kinder geeignet.

Insgesamt hätte die Geschichte aber noch etwas spritziger und mehr „mit dem gewissen Etwas“ umgesetzt werden können. So hätte Alexander Baginski noch ein paar mehr eigene Einfälle und originelle Details einbauen können. Auch das Bühnenbild hätte noch liebevoller sein können. So blieb die Aufführung auf einem guten Niveau, bei dem aber noch mehr möglich gewesen wäre.

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